Traktoren Welt

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Ingo1912
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Re: Traktoren Welt

Post by Ingo1912 » Mon May 08, 2017 1:22 pm

Tino ls 1517 wrote:Kannst du bitte noch die Geschichte von valtra challenger und zetor schreiben?
Hallo leider habe länger hatte ich in Forum nicht herein geschaut ich kann nichts versprechen aber werde mal schauen das ich dein Wunsch nach komme.

Ingo1912
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Re: Traktoren Welt

Post by Ingo1912 » Fri May 04, 2018 2:00 pm

Valtra

Die Aufgabe der Schlepperproduktion führte da zu ein Finnische Firma auf sich gestellt wahr
Im Jahr 1957 wurde die unbefriedigende Situation, die sich aus der Parallelherstellung zweier Marken ergab, kurz „BM Volvo“.
Alle Traktoren aus Eskilstuna erschienen nun in einheitlich roter Lackierung.
In den folgenden Jahren brachten die Schweden völlig neue Traktorserien auf den Markt mit integrierten Kabinen, zunehmend mehr Hydraulikfunktionen und erhöhten Sicherheitsstandards.
Außerdem wurde die Produktpalette erweitert.
Neben Traktoren für die Landwirtschaft standen nun unter der Bezeichnung BM Volvo Forstmaschinen und Fahrzeuge für den Baubereich wie Radlader, Mobilkräne, Knicklenker und Grader zum Verkauf.
Weil der Name Volvo weltweit einen höheren Bekanntheitsgrad genoss als Bolinder-Munktell, stellten die Schweden im Jahr 1973 die Bezeichnung um und firmierten ab jetzt unter „Volvo MB AB“, ihre Landwirtschafts-Nutzfahrzeuge unter „Volvo BM“.
Zwar hatten sich die schwedischen Traktoren in der Vergangenheit gut verkauft, doch die zunehmenden Konzentration auf dem Traktormarkt in den 70er Jahren forderte ihren Preis.
Volvo beschloss, sich im Bereich der Nutzfahrzeuge auf die Baufahrzeug-Sparte zu beschränken und den Schlepperbereich aufzugeben.
Im Jahr 1979 lief im ersten Anlauf eine Zusammenarbeit mit International Harvester nicht zufriedenstellend, dafür aber klappte eine Kooperation mit dem finnischen Unternehmen Valmet.
Um die Arbeitsplätze nicht zu gefährden, lieferte Volvo an Valmet weiterhin Komponenten für die übernommenen Traktoren, die nun unter „BM Valmet“ verkauft wurden.
Mitte der 80er Jahre ging die Schleppersparte von Volvo dann endgültig an die Finnen.

Flugzeugmotorenfabrik produzierte fortan Traktorenwerk für die Landwirtschaft
Für welche nach dem Zweiten Weltkrieg eine große nachfrage bestand.
Die ersten Valmet-15-Traktoren wurden im Jahre 1951 fertiggestellt.
Nur zehn Jahre später gründete Valmet das Traktorenwerk Mogi das Cruzes in Brasilien.
Die ersten fünf Valmet-360D-Traktoren rollten im Dezember 1960 vom Band.
Die damals mutige und risikoreiche Entscheidung, ein Werk auf der anderen Seite der Erdballs zu gründen, erwies sich im Laufe der Jahre als richtig: Valtra do Brasil ist heute ein zentraler Bestandteil der Marke Valtra.

Valtra ist 60 Jahre alt
Doch obwohl sich das Unternehmen seiner Wurzen bewusst ist, blickt es mit großer Zuversicht in die Zukunft.
Vom kleinen finnischen Hersteller expandierte das Unternehmen zu einer weltweiten Traktormarke.
Als Teil des AGCO-Konzerns hat Valtra die Unterstützung eines der weltweit größten Landwirtschaftskonzerne erhalten.

AGCO Deutschland GmbH
Valtra Traktoren werden seit 1992 in Deutschland vertrieben.
Die Valtra Vertriebs GmbH wurde in Landshut- Ergolding gegründet.
Im Juni 1999 verlegten sie den Sitz nach Hannover-Langenhagen.
Ausschlaggebend war hierfür das nutzbare Gebäude auf dem Gelände der Nachbarfirma Partek Cargotec GmbH (Hiab und Multilift Ladekrane).
Zum 01.02.2007 zog die Valtra Vertriebs GmbH nach Marktoberdorf, von wo aus sie ihre Aufgaben fortsetzte.
Angrenzend an das Fendt Werksgelände setzen sie in eigenen Räumlichkeiten den Weg des Wachstums fort.
Seit 01.08.2011 nun ist Valtra Bestandteil der AGCO Deutschland GmbH.
Der Geschäftsbereich Valtra innerhalb der AGCO Deutschland GmbH ist seither für die Aktivitäten von Valtra auf dem deutschen Markt verantwortlich.
Derzeit zählt das Valtra-Team 20 Mitarbeiter, die alle Händler voll zu tun haben bestreben haben Aufbau eines Unternehmens, das auf dem deutschen Markt noch sehr jung ist.
Mit der Überzeugung, dass die erstklassige Qualität der Valtra Traktoren sich weiter durchsetzen wird.
Und die Ergebnisse lassen sich sehen!
Jedes Jahr konnte Valtra Marktanteil erhöhen und das wollen und werden sie fortsetzen.
Last edited by Ingo1912 on Thu May 17, 2018 11:00 am, edited 1 time in total.

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Re: Traktoren Welt

Post by Ingo1912 » Thu May 17, 2018 10:57 am

AGRIA

Die heute noch existierende Agria-Werke GmbH verdanken ihre Entstehung dem Umstand, dass die beiden Geschäftsführer einer Karlsruher Zahnradfabrik, Otto Göhler und Mächtel, es schafften, ihr Zweigwerk in Ruchsen nach dem Zweiten Weltkrieg vor der Demontage zu bewahren.
Die beiden Männer brachten die Produktionsanlagen ins nördlich von Neckarsulm gelegene Möckmühl in dem gerade von den Besatzungsmächten gegründeten Land Württemberg-Baden.
Mit den Maschinen und den Fachkräften, die ihnen in den Nachkriegswirren zur Verfügung standen, begannen sie 1946 mit der Produktion von Spielzeugautos, Tabakpfeifen, Handbohrmaschinen und zusätzlich von Zahnrädern.
Das waren noch nicht die Produkte, die Firma längerfristig tragen konnten.
Da brachten die Weinbauern in ihrer Nachtbarschaft sie auf die Idee, mit radangetriebenen Motorhacken zu experimentieren.
Die wirtschaftlichen Bedingungen und die Materialbeschaffung waren allerdings zu Beginn schwierig.
Erst die Währungsreform 1948 schuf die Voraussetzung, mit der Herstellung der Herstellung der neuen richtig durchzustarten.
Zum auch als Einachsschlepper verwendbaren Motorhacken-Erfolgsmodell namens „Agriette“ Ende der 50er Jahre gesellte sich die ebenfalls erfolgreiche Einradgartenfräse „Agria Baby“.
Beide begründeten mit den Ruf des Unternehmen.
Agria blieb jedoch anderen Produktsparten gegenüber weiterhin offen.
Weil der Bedarf auf Markt vorhanden war, baute die schwäbische Firma von 1950 bis 1954 sogar einen Dreirad-Lastenroller mit dem Namen „Triro“.
Selbst Gefriertruhen fand man von 1959 bis 1964 im Agria-Produktangebot.
Mit der Übernahme der Maschinenfabrik Schilling in Karlsruhe-Durlach 1953 besaß Agria nun auch deren Einachsschlepperproduktion.
Mit dem Universalschlepper „Typ 1600“ begann Agria eine erfolgreiche Produktreihe, die bis heute wichtigen Teil des Sortiments ausmacht.
Der Bau eines leichten Geräteträger wurde ebenfalls versucht, ein Serienbau unterblieb allerdings wegen technischer Probleme.
Mit dem „Agria 4000“ stieg die Firma Mitte der 50er Jahre erfolgreich in die Herstellung von Zweispur-Vierrad-Kompacktschleppern ein, die im Obstanbau und im Kommunalbereich zum Einsatz kamen.
Die sechsgängige Maschine besaß einen 10-PS-Dieselmotor und konnte ihre Spurweite verstellen.
Den großen Durchbruch auf dem Schleppermarkt glückte Argia 1964 mit dem Schmalspurschlepper 4800, der für Sonderkulturen und Gartenbau gedacht war.
Vier Jahre später erschienen der Allradschlepper 6700 mit Allradlenkung und -brems-anlage sowie der 3900 Weinberg-Trac, der ebenfalls mit Allrad ausgerüstet war, dazu noch mit einem Seilwindensystem, um sich an Weinbergen hochziehen zu können.
Bei der Motorenentwicklung arbeiteten die Möckmühler damals eng mit NSU in Neckarsulm zusammen.
Schon in den Einachsfärsen fand sich der NSU-Quickly-Motor.
Argria baute in den 70er Jahren das Angebot an Kompaktschleppern aus, es entstanden viele weitere Modelle, darunter der „Typ 5700“ mit 16-PS-Dieselmotor, der „Typ 4800 K“ mit 23-PS-Zweizylinder-Diesel oder der 26 PS starke „Typ 6900“ mit wassergekühlten Motor.
Mit dem Erfolg einher ging gleichzeitig die Expansion der Firma.
Zuerst wurde Betriebe in Adelsheim und Jagsthausen, dann zusätzlich außerhalb Deutschlands in Griechenland, Spanien und Italien gegründet.
Argria exportiert seine Produktpalette unterdessen in über 150 Länder, die Firma wurde Weltmarktführer auf dem Gebiet der Gartenfräsen.
Im Laufe der folgenden Jahre verschärfte sich die Konkurrenzsitzion unter den Anbietern von kleinen Schleppern, viele Firmen aus dem Ausland drängten auf den deutschen Markt.
Zu Beginn der 90er Jahre ließ Agria deshalb seine Modellpalette an vierrädrigen Kompaktschleppern auslaufen.
Das Unternehmen hat stattdessen sein Angebot im Bereich der motorisierten Gartengeräte ausgebaut und bietet seitdem für Grünflächen- und Bodenbearbeitung sowie Grundstück- und Wegepflege ein breites Spektrum an Arbeitsgeräten an, darunter Motormäher, Geräteträger, Motorhacken, Einachsschlepper, Kehrmaschienen, Anbaugeräte und andere mehr.

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Re: Traktoren Welt

Post by Ingo1912 » Mon May 28, 2018 3:36 pm

ALLGAIER

Als Georg Allgaier im Jahr 1906 im schwäbischen Hattenhofen bei Göttingen einen kleinen Betrieb zur Anfertigung von Schnitt- und Stanzwerkzeugen gründete, war noch nicht zu ahnen, dass sein Namen für eine kurze Zeit einmal zu den Großen im Traktorenbau zählen würde.
Mit dem „Volksschlepper“ hatte er einen umsatzträchtigen Porsche-Diesel im Angebot.
Allgaier hatte es anfangs nicht leicht, diesen Betrieb überhaupt zu etablieren.
Es sollte mehr als zehn Jahre dauern, bis ihm dies aufgrund des Aufschwungs im Bereich der Motorisierung nach dem Ersten Weltkrieg und dem dadurch gestiegenen Bedarf nach Werkzeugen, wie sie Allgaier anbot, in den 20er Jahren endlich gelang.
Mittlerweile hatte er sich auf die Automobilindustrie spezialisiert und war mit seinem Betrieb in eine größere Fabrikationsanlage nach Uhingen umgezogen.
1929 erweiterte Allgaier dieses Engagement noch durch den Zukauf eines Presswerks, mit dem er Werkzeuge für den Karosseriebau fertigte.
Das immer besser laufende Geschäft ermöglichte es ihm 1937 schließlich, seinen Betrieb in eine GmbH umzuwandeln. Zwei Jahre später erfolgte die Heirat seines Sohnes Erwin mit Elsbeth Kaelble, der Tochter von Carl Kaelble, der in Backnang eine bedeutende Firma zur Herstellung von Baumaschinen und Dieselmotoren besaß.
Diese Verbindung erwies sich rund zehn Jahr später als wichtiger Wegbereiter für den einstieg Allgaiers in das Traktorengewerbe.
Denn Kaelble hatte bereits in den Jahren vor Ausbruch des Krieges mit eigenen Traktoren experimentiert, sodass sich Kaelble dem Vorhaben Allgaiers gegenüber aufgeschlossen zeigte.
Ebenfalls 1939 übernahm Allgaier die Leitung im Betrieb.
Dieser musste, wie viele andere, in den Kriegsjahren für die Rüstung arbeiten, ein Umstand, der ihm nach 1945 zum Nachteil hätte gereichen können.
Denn ihm drohte nun die Demontage durch die Amerikaner.
Doch es kam anders.
Allgaier durfte bereits im Herbst 1945 wieder seine Produktion anlaufen lassen.
Zu dieser Zeit schwebte ihm allerdings zusätzlich ein anderes Projekt vor.
Denn er erkannte den Motorisierungsbedarf der Landwirtschaft, ohne den diese die notwendigen Ertragssteigerungen nach dem verheerenden Krieg und den vielen dazugekommenen Flüchtlingen nicht würde leisten können.
In seinem Schwiegervater hatte er einen verständigen und gleichzeitig idealen Partner, denn dieser war in der Lage, in seiner Firma einen geeigneten Motor für den geplanten Ackerschlepper entwickeln zu lassen.
Bereits im folgenden Jahr zeigte die Zusammenarbeit von Allgaier mit Kaelble Früchte: Mit den R 18 (R für „Robust“) wurde der erste 18 PS starke Prototyp eines Allgaier-Schleppers fertig, ausgerüstet mit selbst entwickeltem Viergang-Getriebe und einem Einzylinder-Dieselmotor von Kaelble mit Verdampfungskühlung.
Die Konstruktion war sehr einfach, aber solide, die Serienfertigung konnte bald beginnen.
Der R 18 richtete sich an Kleinbauern und kam bei diesen so gut an, dass 1950 bereits 1000 Traktoren verkauft waren.
Um dem Wunsch nach stärkeren Schleppern nachzukommen, brachte Allgaier 1949 den R 22 auf Markt der preiswerter als vergleichbare Konkurrenzprodukte war und bereits ein Jahr später als A 22 („A“ für Allgaier“) mit Motorverkleidung erschien.
Ein weiteres starkes Argument, das die Kundschaft für den A 22 einnahm, war seine Verwendbarkeit mit verschiedenen Anhängergeräten durch einfaches Zwischenstecken diverser Kupplungsstücke.
Weil der Verkauf gut lief, folgten weitere Modelle unterschiedlicher PS-Stärken, darunter auch der A 40 mit einer Leistung von 40 PS.
Während die A-Serie mit von Kaelble noch lief und weiterentwickelt wurde, ergab sich für Allgaier ein neuer Glücksfall.
Es bot sich ihm nämlich die Gelegenheit, die Lizenz der Konstruktionsunterlagen zum „Volksschlepper“ von Ferdinand Porsche zu erwerben, der in den 30er Jahren schon den Vokswagen konstruiert hatte.
Porsche hatte nämlich damals bereits einen beinahe serienreifen Schlepper mit einer ganzen Reihe an technischer Besonderheiten entwickelt.
Weil seine Mittel jedoch nicht dafür ausreichten, nach dem Krieg sowohl Sportwagen als auch Traktoren zu entwickeln, gab er die Konstruktion ab an Allgaier.
Unter der Bezeichnung AP 17 (Allgaier-Porsche) brachte Allgaier 1950 eine in Zusammenarbeit mit Porsche weiterentwickelte Version dieses Volksschleppers auf den Markt und diese geriet zur Sensation.
Die unerwartet vielen Bestellaufträge machten es erforderlich, nach einer neuen Fertigungsanlage Ausschau zu halten.
Allgaier fand sie in dem ehemaligen Dornier-Werk in Friedrichshafen.
Der AP17 und seine Nachfolger waren nicht mehr wasser-, sondern luftgekühlt, was sie leichter und temperaturunempfindlicher machte sowie ihren Wasserbedarf senkte.
Ausgestattet mit einer Ölreinigungszentrifuge benötigte der AP 17 kaum noch einen Ölwechsel.
Zusätzlich war die Spur der Traktors verstellbar.
Eine weitere Innovation stellte der erstmals serienmäßig eingebaute elektrische Anlasser dar.
Trotz dieser und weiterer technischer Besonderheiten bot Allgaier den Schlepper preiswerter an, als es die Konkurrenz vermochte der Erfolg war vorprogrammiert.
Noch im Verlauf des Jahres 1952 startete Allgaier wieder in Kooperation mit Porsche eine dritte Schlepper-Reihe.
Die Bauteile der Modelle A 111 (12 PS) und A 133 (33 PS) waren nun standardisiert und austauschbar.
Zur Erhöhung ihrer Lebensdauer trug die ölhydraulische Strömungskupplung von Voith bei.
Äußerlich gab es ebenfalls Veränderungen die neue Serien hatten eine schnittige neue Motorenhaube sowie eine „Wespentaille“ verpasst bekommen.
Der A 133 wie auch der noch stärkere A 144 (44 PS) richteten sich im Gegensatz zu den meisten bisher gebauten Traktoren Allgaiers an größere landwirtschaftliche Betriebe.
Allgaier befand sich mit seinen Schleppern auf der Erfolgsspur.
Er gehörte mittlerweile zur Spitzengruppe der Traktorenhersteller.
Und das schien noch eine Weile so weiter zu gehen.
Als schließlich eine Monatsproduktion von 1000 Traktoren erreicht war und die Nachfrage weiter stieg, war die Belastungsgrenze des schwäbischen Betriebs erreicht.
Allgaier hätte nun kräftig in den Ausbau seiner Produktionsmittel investieren müssen, doch er misstraute wohl dem weiteren Aufschwung auf dem Traktorenmarkt.
Statt ein in seinen Augen unkalkulierbares Risiko einzugehen, beobachtete Allgaier die aufblühende Automobilindustrie, aus der er mittlerweile viele Aufträge für seinen eigentlichen Kern-Geschäftsbereich erhielt der Werkzeugherstellung.
1955 fiel deshalb die Entscheidung Allgaier trennte sich von seiner Traktorensparte.
Diese wurde stattdessen der ein Jahr Später von Mannesmann gegründeten Firma „Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH“ übergeben und von dieser in Friedrichshafen fortgeführt.
Im Nachhinein betrachtet, war diese Entscheidung vermutlich recht weise.
Denn während Allgaier auf dem Gebiet der Werkzeugherstellung für die Automobilindustrie sehr erfolgreich werden sollte, geriet nur wenige Jahre nach seinem Ausstieg aus der Schlepperherstellung die Branche der Traktorenbauer in eine erste schwere Krise, hervorgerufen durch Marktsättigung und ein geändertes Kaufverhalten der Kunden, an der viele Mitbewerber bereits scheiterten (Porsche-Diesel war hier keine Ausnahme).
Und selbst diejenigen, die länger durchhielten, mussten doch irgendwann entweder aufgeben oder mit stärkeren Partnern fusionieren oftmals unter Verlust des eigenen Namens.
So gelang Allgaier ein seltenes Kunststück: Er stieg aus auf dem Gipfel des Erfolges.

matador
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Re: Traktoren Welt

Post by matador » Mon May 28, 2018 5:39 pm

Hallo Ingo,

sehr informativ Deine Ausführungen über Allgaier! *thumbsup*

Den A22 und den AP17 habe ich ja noch in der Praxis kennengelernt und gefahren, speziell der AP17 war schon ein schöner Schlepper!
Vom A144 habe ich allerdings hier zum ersten Mal gelesen.

Gruß, matador
Immer am Limit ... :-)

Ingo1912
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Re: Traktoren Welt

Post by Ingo1912 » Thu Jun 21, 2018 2:31 pm

BAUTZ

Die Firma Bautz aus dem oberschwäbischen Saulgau begann erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Herstellung von Schleppern.
Dennoch konnte sie zu diesem Zeitpunkt bereits jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet der Landwirtschaftstechnik durch den Bau ihrer Erntemaschinen vorweisen.
Im Jahre 1877 kaufte Josef Bautz in der kleinen Gemeinde Lochhammer in Oberschwaben eine Hammerschmiede.
In den 1880er Jahren ergänzte er seinen Geschäftsbereich mit dem Verkauf und Reparaturen von amerikanischen und englischen Landwirtschaftsgeräten.
Weil er das Verbesserungspotential dieser Ernte -helfer vor allem für die hiesigen Verhältnisse erkannte, begann Bautz ab 1893 erfolgreich mit der Konstruktion eigener Erntemaschinen.
Das Geschäft mit den selbstproduzierten Grasmähern und Heuwendern lief so gut, dass die Lochhammer Schmiede bald zu klein wurde und Bautz dringend eine größere Produktionsstätte finden und beziehen musste.
Sein Sohn Josef Bautz junior wurde 1909, ein Jahr nach dem Tod des Firmengründers, in einer Maschinenfabrik in Saulgau, nahe der schwäbisch-bairischen Grenze fündig.
Neben dem Umfang der Produktion konnte nun zusätzlich die Angebotspalette erweitert werden.
Aus der ehemaligen Maschinenfabrik war somit ein Erntemaschinenwerk geworden.
Bautz profitierte von der Aufschwungphase der Landwirtschaftstechnik zu Beginn der 20er Jahre und wandelte sich 1922 zur Aktiensegelschaft.
Dennoch blieb das Unternehmen nicht von den wirtschaftlichen Turbulenzen dieses Jahrzehnts verschont und musste im Laufe dieser Jahre viele Mitarbeiter entlassen.
Ende 1926 wurde der Betrieb sogar für kurze Zeit geschlossen.
Doch die Nachfrage nach Erntemaschinen zog schließlich wieder an und brachte Bautz wieder auf die Erfolgsspur, bis die Große Depression 1929 das Unternehmen erneut in die Krise stürzte.
Bautz nutzte diese Zeit, um seine Fertigungsmaschinen zu modernisieren, sodass man in der Lage war, ein breites und fortschrittliches Angebot an Erntemaschinen anzubieten.
Auch aufgrund dieser Modernisierungsmaßnahmen stellte sich 3er Jahren der wirtschaftliche Erfolg erneut ein und die Mitarbeiterzahl wuchs wieder an.
1936 erwarb Bautz in Großauheim bei Hanau eine Halle, die zunächst vor allem für die wichtige Bindemäherproduktion verwendet sollte.
Doch zu dieser Zeit hatte die Einführung von Traktoren das Landwirtschaftsgewerbe bereits so sehr verändert, dass nun Bautz erwog, auf diesem Gebiet selber tätig zu werden, eigene Schlepper auf Markt zu bringen und sich so ein weiteres Standbein neben den Erntemaschinen zu schaffen.
Dazu hätte die neue Halle eine wichtige Voraussetzung geboten.
1940 entstand dann tatsächlich ein erster Traktor-Prototyp mit Viergangschaltung, bei dem die meisten Teile aus eigener Herstellung stammten.
Der wassergekühlte Motor hingegen wurde von den Motorenwerken Mannheim (MWM) bezogen.
Der bereits ausgebrochene Zweite Weltkrieg bereitete diesen Experimenten allerdings ein Ende, denn der Bautz-Traktor schaffte es nicht, in den Typenbegrenzungsplan der braunen Machthaber aufgenommen zu werden, was die Voraussetzung gewesen wäre, um während der Kriegsjahre weiter gebaut und fortentwickelt werden zu können.
Stattdessen musste Bautz nun in einem Großauheimer Werk für die Rüstung produzieren.
In Saulgau dagegen wurde die Herstellung von Erntemaschinen fortgesetzt, allerdings nicht ausschließlich, denn Saulgau wurde ebenfalls für die Rüstung gearbeitet: das Reichsluftfahrtministerium ließ hier ab 1943 Teile für die V2-Raketen herstellen.
Das Werk in Großauheim wurde durch Luftangriffe und den Einmarsch der Amerikaner stärker in Mitleidenschaft gezogen als das Saulgauer Werk.
Während Ersteres zunächst den Amerikanern als Reparaturwerkstatt diente und erst im Verlaufe von zehn Jahren an Bautz vollständig zurückgegeben wurde, konnte in Saugau nach den ersten Nachkriegswirren wieder die Produktion von Erntemaschinen aufgenommen werden.
Auch setzte hier Bautz die durch den Krieg unterbrochene Entwicklung eines eigenen Schleppers fort.
Weil ein erster Prototyp 1948 sich als noch zu unausgereift erwies, Bautz aber sich sputen musste, um noch in das aufkeimende Geschäft mit Traktoren einzusteigen zu können, kaufte die Firma die Konstruktionspläne eines Kleinschleppers der Tübinger Firma Zanker auf.
Diese hatte als Branchenfremde ihre Eigenentwicklung nur schlecht selber vermarkten können.
Unter der Bezeichnung B 14 AS überbrückte dieser Traktor die Zeit bis zur ersten Eigenentwicklung von Bautz.
Um die Jahreswende 1949/1950 war es dann so weit:
Der Bautz AS 120 wurde der Öffentlichkeit vorgestellt.
Die Saulgauer hatten soviel wie möglich selber entwickelt, darunter das Viergang-Getriebe, lediglich den Zweizylinder-Motor lieferten wie schon beim allerersten Prototyp von 1940 die Motorenwerke Mannheim.
Mit diesem kleinen 12-, später 14 -PS- Schlepper gelang Bautz sein größter Verkaufserfolg auf dem Gebiet der Traktoren.
Mehr noch der AS 120 wurde zum Synonym für Bautz-Ackerschlepper.
Mit ihm begann sich das Haupttätigkeitsgebiet der Firma von Erntemaschinen weg zum Schlepperbauer hin zu verschieben.
Trotz weitere Modellreihen wurde der AS 120 bis Ende der 50er Jahre hergestellt und war genauso im Ausland gefragt.
Obwohl die Bautz-Traktoren eher durch solide Zuverlässigkeit, weniger durch Innovationen glänzten, fand sich das Unternehmen zeitweise unter den ersten zwölf Herstellerfirmen in der deutschen Zulassungsstatistik.
Nach dem Zwischenspiel der weniger beliebten Konfektionsschlepper AS 170 und AS 220, deren Bauteile von verschiedenen Herstellern stammen, präsentierte Bautz Mitte der 50er Jahre seine neue Eigenentwicklung AS 180 und AS 240.
Letzteres Modell war mit 24 PS der stärkste Bautz-Traktor überhaupt.
Mit modernem Design und einer aufsehenerregenden Lenkradschaltung ausgestattet, erneuerte Bautz 1956 seine gesamte Schlepper-Palette.
Während der schwächere Bautz 200 nicht so gut lief, erwies sich der Bautz 300 mit seinen 20 PS abermals als Verkaufserfolg.
Hier wirkte sich bereits die mittlerweile veränderte Kundennachfrage nach stärkeren Traktoren aus, welche die leistungsschwächeren mit zunehmender Nichtbeachtung bestraft.
Die gesamte Branche war zum Ende des Jahrzehnts in eine Absatzkrise geraten.
Weil Bautz befürchtete, leistungsstärkere Traktoren selber nicht zu einem konkurrenzfähigen Preis bauen zu können, deckte man diesen Bereich ab 1958 mit dem Lizenzverkauf von englischen Nuffield-Traktoren ab.
Diese jedoch wurden ungeachtet ihrer Qualität von den deutschen Landwirten eher misstrauisch beäugt und infolgedessen nicht sehr häufig gekauft.
Zu Beginn der 60er Jahre versuchte deshalb eine Kooperation mit der Hanomag AG.
Wieder war Bautz für die leistungsschwächeren, Hanomag für stärkeren Traktoren zuständig.
Doch auch diese Zusammenarbeit lief nicht so wie gewünscht.
Ebenfalls nur kurzfristigen Bestand hatte die Kooperation mit HELA.
Hatten anfangs die Erntemaschinen von Bautz die zunehmenden Verluste auf dem Schleppermarkt noch auffangen können, gelang dies nun nicht mehr.
1963 verkündete Bautz deshalb das Ende seiner Traktorenherstellung.
Ungeachtet dessen lief die Produktion der Erntemaschinen-Sparte noch einige Zeit weiter.
Im Jahr 1969 übernahm dann die Firma Class zusammen mit der Saulgauer Werkstätte Herstellung der Bautz-Erntemaschinen, die in das eigene Class-Programm eingegliedert wurde.
Damit hatte Bautz als eigenständige Firma aufgehört zu bestehen.

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