Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

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Ethiofarmer
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Tue Dec 17, 2019 8:52 pm

So, erstmal ein herzliches Hallo vom Horn von Afrika!

Gerade habe ich die Flatrate für mein Handy bekommen. Jetzt brauche ich mir wenigstens keine Gedanken mehr wegen den Kosten fürs Internet zu machen. Für satte 70 EUR habe ich den ganzen Monat unbegrenztes Datenvolumen. Die Verbindung ist aber trotzdem nicht besser/schneller. Bisher musste ich ja schon 5 EUR pro hochgeladenem Video bezahlen. Dazu bilde ich mich soviel fort übers Internet. Ich schaue nächtelang Videos über Permakultur, Aquaponik, Agroforest und solche Sachen. Das ging bisher extrem ans Geld.

Nun, wir sind hier am Mulchen, Gießen, Unkraut jäten, Blumen verkaufen, heute gab es sogar eine erste Tomate (die landete gleich bei mir im Mund) lol

Es werden viele neue Beete angelegt und abgeerntete Beete neu mit Mist und Mulch ausgestattet. Die Erntemenge ist aber minimal. Es wird noch eine Weile dauern, bis der Boden wieder mit genügend Bakterien besiedelt ist, um Pflanzen beim wachsen und Frucht bringen zu unterstützen.
Eine kleine Nachfrage an internationalen Schulen hat ergeben, dass Zucchini und Tomaten zu den Früchten gehören, die die größte Nachfrage haben. Da wir in einigen Tagen das zweite Feld in Angriff nehmen werden, habe ich bereits die ersten 50 Zucchini-Samen ausgesät und bereits viele Tomatenstecklinge gemacht. Es kann also losgehen.

In den nächsten Tagen versammle ich auch die Bauern um mich herum, um ihnen ein Angebot eines Investors zu unterbreiten. Dieser Investor möchte den Bauern 10 Wasserpumpen schenken, damit die Bauern auch in der Trockenzeit ihre Felder bewässern und damit bestellen können. Wenn dieses Projekt dann Erfolg hat, will der Investor die Wasserpumpen (Solar) hier vermarkten. Das heißt, andere Bauern bekommen die Pumpe und zahlen sie nach und nach ab. Mir möchte dieser Investor als "Kommission" eine Solar-Wasserpumpe schenken. Klingt ja mal gar nicht schlecht.

Wenn alles klappt, werde ich etwa am Wochenende ein kurzes Video mit einem Überblick über das Feld hochladen.

Liebe Grüße
Euer Ethofarmer
Thomas
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Ethiofarmer
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Tue Feb 04, 2020 10:58 am

Liebe Freunde,

viele Dinge machten mich sehr beschäftigt so dass ich nicht mehr schreiben konnte.
Freude und Leid liegt oft nah beieinander.
Zuerst die schlechten Nachrichten:
1. Unsere Projektplanung für Wallaga ist erstmal vom Tisch. Die Region ist ein Kriegsgebiet geworden. Viele Dörfer, wie das in welchem wir unsere Arbeit beginnen wollten, sind Menschenleer. Bundessoldaten oder Leute mit deren Uniform - so genau weiß das keiner - richten dort ein unbeschreibliches Blutbad an. Immer mehr Leute werden an den Völkermord bei den Hutsi und Tutsi in Ruanda erinnert. Man weiß auch nicht so genau, wer eigentlich gegen wen kämpft. Über 60.000 Menschen sind von dort in Richtung Sudan geflüchtet. Auch meine Freunde, bei denen ich unser Projekt aufbauen wollte. Über deren Verbleib habe ich noch keine Infos, weil Telefon und Internet abgeschaltet sind (dort).

2. Es ist zu kühl und unser Wasser zu knapp in Sendaffa.
Wir haben diverse Verluste auf dem Feld, weil es vor allem Nachts zu kühl ist. Oft haben wir früh morgens nur noch 5 Grad. Unsere Wasservorräte sind nun auch am Ende. Um dennoch einem Totalverlust aus dem Weg zu gehen, haben wir heute die Rote Beete geerntet, obwohl sie noch relativ klein waren. Alle Karottenbeete werden nun 'geleert'. Die großen verkaufen, bzw essen wir selber. Die kleinen Karotten werden zwischen Kohl und Zucchini auf allen Zwischenräumen neu gepflanzt. Damit sparen wir Platz und somit die täglich benötigte Wassermenge.
Zucchini kommen übrigens gut.

So, nun zu den guten Nachrichten:
1. Seit 4.Januar bin ich verlobt mit einer Äthiopierin. Ich kenne sie schon seit 11 Jahren. Wir werden also im Mai heiraten. So ist es geplant.

2. Die andere gute Nachricht:
Ein Investor, ein guter Freund, investiert immer wieder im großen Rahmen in der Landwirtschaft. Er möchte mich in sein Projekt für eine gewisse Zeit einplanen, damit ich sehe, wie man in der Landwirtschaft in Äthiopien gut und erfolgreich arbeitet, damit auch finanziell was dabei rauskommt.
Da es in Äthiopien an zuverlässigen Arbeitern mangelt, habe ich ihm meine Arbeiter angeboten, die seit 9 Monaten gute Arbeit leisten. Er zahlt mir dafür eine Entschädigung weil ich auf meine Arbeiter solange verzichten muss.
Nur einen lasse ich bei uns für die Basisarbeiten (gießen, Unkraut jäten, usw.)

Danach geht es dann wieder bei uns weiter.

Soweit mal wieder von hier. Bald kommen noch Bilder.

Liebe Grüße
Euer Ethiofarmer
Thomas
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Haagele » Tue Feb 04, 2020 7:08 pm

Dan herzlichen Glückwunsch zur Verlobung!


Rückschläge gibt es immer mal aber immer mutig voran!
Ich hoffe die Streitigkeiten in Äthiopien und überall in Afrika lassen sich noch sinnvoll lösen...

Ethiofarmer
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Thu Mar 12, 2020 3:04 pm

Liebe Freunde,

ich möchte die letzten Wochen für Euch zusammenfassen.

1. Meine Hochzeit wird sich aus verschiedenen Gründen erst einmal verschieben. Noch wissen wir nicht, wann es sein wird.

2. Der Freund, der in der Landwirtschaft investieren möchte, hatte einen Rückschlag erlitten, weil der Investor, der ihm das Geld zur Verfügung stellen wollte, zu hohe Ansprüche stellt.

3. Wir haben nun endgültig kein ausreichendes Wasser mehr, um unser Feld zu bewässern. Allerdings hat ein Freund etwa 1 Hektar Land, von welchem er mir etwa 3000qm zur Verfügung stellt. Er hat 25 Jahre in Deutschland gelebt und hat sich hier eine große Existenz aufgebaut (in der Landwirtschaft). Wir sind nun dabei, soviel wie möglich von unserem Feld dorthin zu bringen, weil es dort viel Wasser hat. Das Feld ist 6km von Sendaffa entfernt und mit Bussen gut zu erreichen (15 min Fahrt).
Unsere 200 Zucchini-Setzlinge kommen nun dorthin. Auch Tomaten werden wir säen, Rosmarin, Salbei und Pfefferminze kommen auch dorthin. Neben Lavendel und sonstigen Zierpflanzen. Auf dem Feld werden wir dann noch Zwiebeln und Knoblauch anbauen.

4. In den letzten 2 Wochen konnten wir bereits 12 Kilo Zucchini verkaufen. Wohlgemerkt, die Ernte geht erst los. Wenn die 200 Setzlinge dann die ersten Früchte bringen ...
Ein Freund hat versprochen unsere Zucchini alle abzukaufen, sobald die Menge größer ist. Dann brauchen wir uns nicht um die Vermarktung zu kümmern.

5. In Kürze werden wir auch einen "Garten-Kurs" auf Youtube beginnen, so wie man es auf Deutsch bereits kennt. Nur dass unser Kurs auf Amharisch gemacht wird. Es geht dabei aber nicht um das große Gärtnern, sondern darum, den Leuten in der Stadt zu zeigen, wie man es schafft, ohne Garten eigenes Gemüse anzubauen. Denn selbst auf dem Balkon kann man so einiges machen.


Wie immer freue ich mich über Rückfragen, Anregungen, Hinweise.

Ganz liebe Grüße aus Äthiopien
Euer Ethiofarmer
Thomas
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Thu Mar 26, 2020 9:37 am

Ein herzliches Hallo aus dem etwas ungemütlichen Äthiopien.

Hier geht es sehr ruppich zu und her. Da behauptet wird, Ausländer brächten Corona hier her, sind Weiße immer wieder Ziel für Angriffe.
Ich bewege mich nur noch an den Orten, an denen mich Leute kennen.

Derweil läuft es bei uns mit dem Umzug aufs neue Feld sehr gut. Während das neue Feld bepflanzt wird, hat uns das Wetter die Arbeit erleichtert. Wir hatten mehrere Tage Regen. Unsere Bio-Zucchini verkaufen sich sehr gut und wir bekommen sehr positive Resonanz. Wir haben bis jetzt eine Bilanz von 10 kg pro Woche. Einige der neugepflanzten Zucchini bringen jetzt auch die ersten Früchte.
Während wir bisher im Durchschnitt 1,5 bis 3 % unserer Ausgaben durch Verkäufe decken konnten, schauen wir seit dem Beginn des Zucchiniverkaufs auf Einnahmen, mit denen wir rund 6 % der Kosten decken können. Diese Zahl wird noch etwas steigen, wenn dann auch die Tomaten wachsen.
94% unserer Kosten werden bisher durch kleine Spenden und größtenteils von meinem Lohn für verschiedene Arbeiten (Deutschunterricht, Nachhilfe, usw) gedeckt.

Was die Kosten nun senkt, ist die Tatsache, dass wir auf dem neuen Feld genug Wasser haben, sprich, die Arbeiter sparen viel Zeit fürs Wasser holen.
Was die Einnahmen nun steigert ist der bessere Boden, bessere Wasserversorgung und nicht zuletzt die größere Fläche. Hinzu kommt, dass auf dem neuen Feld auch Kühe sind, deren Mist uns gratis zur Verfügung steht. Bisher mussten wir für Mist bezahlen.

Mit dieser kurzen Meldung grüße ich Euch alle aus Äthiopien
Euer Ethiofarmer
Thomas
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