Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

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Ethiofarmer
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Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Sat Mar 09, 2019 3:47 am

Danke für den Hinweis wegen der Grundwasserqualität. Von dem Brunnenprojekt weiß ich nichts. Ich werde einmal eine Wasserprobe an ein Labor schicken. Jedenfalls kann ich sagen, dass das Grundwasser viel Schwebstoffe enthält. Es ist immer leicht grau und wenn es eine Weile steht, setzt sich viel Schmutz (lehmig) ab. Da hier viele Bauern Grundwasser für die Tierhaltung nutzen, glaube ich aber nicht, dass es größere gesundheitliche Bedenken gibt.

Der Bau einer Zisterne dagegen ist finanziell erst realisierbar, wenn wir mehr als 1 bis 2 Hektar Land bewirtschaften. Zur Zeit haben wir aber den Kauf eines 5000 Liter Tanks geplant. Da wir aber pro Tag rund 1000 Liter brauchen, ist das auch nicht viel. Für einen 10 m3 Tank reicht uns unser Geld zur Zeit noch nicht. Die Frage ist dann auch, wie man ihn füllt. Auf dem Feld haben wir in der Wasserleitung nur alle 2 Wochen für 2 Tage Wasser. Die Regenmengen sind so gering, dass sich in den letzten Tagen der Grundwasserspiegel nur unwesentlich erhöht hat. Wir können pro Tag etwa 150 bis 200 Liter Wasser aus dem Brunnen holen.

Wir hatten seit letztem Sonntag insgesamt 22 Liter Regen pro qm. Das ist praktisch nichts. Ich war beim "Center for forest studies" in Addis Ababa. Dort sagte man mir, dass meine Vermutung leider noch weit untertrieben ist. Vor 100 Jahren war Äthiopien 90% bewaldet, 1980 waren es noch 30 % und heute sind es noch 3,2%. Und damit gibt es keinen natürlichen Wasserspeicher und damit viel weniger Regen. Während Addis Ababa vor 50 Jahren noch einen Jahresniederschlag von 2400mm hatte, liegt der Jahresniederschlag heute nur noch bei 1300mm. Da braucht man sich über nichts mehr zu wundern. Hätte ich ein großes Startkapital, würde ich sofort 20 Hektar Wald pflanzen und genießen, wie zumindest regional die Regenmenge zunimmt. Forstwirtschaft wäre zwar auch finanziell ein sehr interessantes Geschäft, aber es ist eben ein langfristiges Geschäft. Die Bäume hier müssten rund 20 Jahre stehen, bis man sie mit Gewinn verkaufen kann. Eukalyptus wäre schon nach 8 Jahren, bei entsprechender Pflege, gewinnbringend zu verkaufen. Aber Eukalyptus hat einen weniger starken Einfluss auf das Mikroklima, weil Eukalyptus zu wenig Wasser verdunsten lässt.

Naja, vielleicht kommt noch die ein oder andere Spende, mit der wir Forstwirtschaft beginnen können. Und wenn es für den Anfang erst mal ein halbes Hektar ist. Nach und nach kann dann erweitert werden. Wir werden sehen, wie es in dem Bereich weiter geht.

Achja, dann war ich noch beim "Ethiopian Institute for Agricultural Research". Die verkaufen lizenzierten Samen. Also fragte ich dort nach Samen. Dann schickte man mich weg mit der Begründung, sie würden Samen nur an Bauern verkaufen, die mindestens 5 Hektar Land hätten. Auch sonst bekam ich nicht viel Informationen. Außerhalb von Addis Ababa gibt es aber einen Samenproduzenten, den ich mal ansprechen kann. Samen importieren ist verboten.

Ich halte Euch auf dem Laufenden. Regen ist in den nächsten Tagen kaum zu erwarten. Die Regenwahrscheinlichkeit pendelt so zwischen 20 und 40 Prozent. Wenn es regnet ist aber nicht gesagt, dass es auch genug regnet...


Bis auf Weiteres
Euer Ethiofarmer
Thomas
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Franken-Landwirt
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Franken-Landwirt » Sun Mar 10, 2019 4:23 pm

Sind denn von Euren Gebäuden alle Dächer mit Regenrinnen bestückt, damit ihr wenigstens das Dachwasser in Regentonnen auffangen könnt ? Oder die große Industriehalle im Hintergrund. Wenn es regnet, würde da ja auch schon einiges zusammen kommen an Wasser.
Wie weit ist denn das nächste fließende Gewässer von Euch weg ?
Gibt es derzeit Aufforstungsprojekte in Eurer Gegend ?

LG
Gruß :hi:
FL

Planlos63
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Planlos63 » Sun Mar 10, 2019 5:24 pm

Franken-Landwirt wrote:
Sun Mar 10, 2019 4:23 pm
Sind denn von Euren Gebäuden alle Dächer mit Regenrinnen bestückt, damit ihr wenigstens das Dachwasser in Regentonnen auffangen könnt ? Oder die große Industriehalle im Hintergrund. Wenn es regnet, würde da ja auch schon einiges zusammen kommen an Wasser.
Wie weit ist denn das nächste fließende Gewässer von Euch weg ?
Gibt es derzeit Aufforstungsprojekte in Eurer Gegend ?

LG
Da kommt sogar eine Menge zusammen. Ich habe z,B. einen 1000L Behälter der Das Regenwasser von 3 Garagen auffängt. Wenn er leer ist braucht es etwa bei einem mittleren Regen eine Stunde bis er überläuft. Der Vorteil hier ist das die Garagen ein Wellblechdach haben und nach einer knappen Minute bereits für neues Gießwasser sorgen. Mein Hausdach ist von der Fläche her etwas größer hat aber eine Ziegeldeckung. Hier fange ich bis zu 1200 L auf aber es muss erst einmal, je nach Intensität etwa eine halbe Stunde regnen bis die ersten Tropfen im Behälter ankommen. Da sich zuerst das Ziegeldach mit Wasser vollsaugt.

Das Problem beim Aufforsten wird aber auch die Trockenheit sein. Im letzten Sommer sind bei meinem Nachbarn mehrere Nadelbäume mittlerer Größe wegen Trockenheit eingegangen. Ich habe an der Giebelseite eine Tanne zu stehen, diese bekommt erst ab dem späten Nachmittag die volle Sonne, selbst die hat Angefangen die Nadeln abzuwerfen so das ich sie auch mit Wasser versorgen musste.

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Franken-Landwirt
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Franken-Landwirt » Sun Mar 10, 2019 7:30 pm

Planlos63 wrote:
Sun Mar 10, 2019 5:24 pm

Da kommt sogar eine Menge zusammen. Ich habe z,B. einen 1000L Behälter der Das Regenwasser von 3 Garagen auffängt. Wenn er leer ist braucht es etwa bei einem mittleren Regen eine Stunde bis er überläuft. Der Vorteil hier ist das die Garagen ein Wellblechdach haben und nach einer knappen Minute bereits für neues Gießwasser sorgen. Mein Hausdach ist von der Fläche her etwas größer hat aber eine Ziegeldeckung. Hier fange ich bis zu 1200 L auf aber es muss erst einmal, je nach Intensität etwa eine halbe Stunde regnen bis die ersten Tropfen im Behälter ankommen. Da sich zuerst das Ziegeldach mit Wasser vollsaugt.

Das Problem beim Aufforsten wird aber auch die Trockenheit sein. Im letzten Sommer sind bei meinem Nachbarn mehrere Nadelbäume mittlerer Größe wegen Trockenheit eingegangen. Ich habe an der Giebelseite eine Tanne zu stehen, diese bekommt erst ab dem späten Nachmittag die volle Sonne, selbst die hat Angefangen die Nadeln abzuwerfen so das ich sie auch mit Wasser versorgen musste.
Da kommen Unmengen zusammen. Bei uns läuft auch das Hausdach, Garage und noch 2 kleinere Gebäude in einen Selbst gegrabenen Brunnen. Wenn der voll ist, läuft alles noch in große Regentonnen. Selbst bei einem kleineren bis mittleren Regenschauer kommt da einiges zusammen, das glaubt man gar nicht.
Selbst in dem Dürre- Sommer 2018, der wirklich heftig für die Landwirtschaft war, brauchten wir kein Wasser aus der Leitung holen.
Gruß :hi:
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Ethiofarmer
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Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Mon Mar 11, 2019 12:19 am

Hallo zusammen!
Erst einmal Danke für die rege Beteiligung. Das freut mich sehr.

Also, eines nach dem anderen:

Die Halle hat eine große Fläche und leitet das Regenwasser in einen 5000 Liter-Tank. Das Problem: Der Tank befindet sich auf der anderen Seite der Halle und ist an die Toilette und den Fischteich angeschlossen. Wir können davon nicht viel nehmen und wenn, dann ist es ein großer Aufwand, so um die Halle herum. Zur Zeit schleppen wir also die rund 900 Liter Wasser von Hand (im wahrsten Sinne des Wortes) zu uns. Das heißt, 20 Liter Kanister rechts, 20 Liter links. Etwa 400m Strecke. Auf Dauer geht das nicht. Und Regen ist immer noch nicht in Sicht.
Wir haben noch zwei Möglichkeiten, für die ich noch am Verhandeln bin. Die eine wäre nur etwa 100m entfernt, die andere wäre direkt auf dem Fabrikgelände. Die 100m entfernte wäre schlicht Leitungswasser einer Solarzellenfabrik. Die haben zuverlässig Leitungswasser. Morgen früh werde ich mit dem Chef dort verhandeln. Vielleicht bekommen wir dort für einen kleinen Preis Wasser.
Die Möglichkeit auf dem Fabrikgelände wäre die Sache mit dem Fischteich. Der Fischteich hat ein geschätztes Wasserreservoir von 25 bis 30 Kubikmeter. Eventuell könnte es sogar noch etwas mehr sein. Wir könnten dieses "Fischwasser" zum Gießen verwenden und sobald der Teich einen gewissen Pegel unterschreitet, bestellen wir einen Wassertankwagen, der uns für ca. 40 EUR 15 Kubikmeter Wasser in den Fischteich kippt. Damit hätten die Fische immer wieder sauberes Wasser und wir hätten ideales, natürlich gedüngtes, Gießwasser. Das werde ich morgen abklären. 15 Kubikmeter Wasser reicht uns zur Zeit noch für etwa 12 Tage. Diese Möglichkeit wäre eine Win-Win Situation. Denn sowohl für die Fische (und Frösche ...) bringt der Wasseraustausch viel Komfort, als es auch uns viel Arbeit (und Zeit) fürs Wasserschleppen spart.

Fließgewässer sind keine gute Wahl, weil sie als "Müllentsorgungseinrichtung" dienen. Kommen also als Gießwasser nicht in Frage.

Thema Aufforstung:
Es gibt zwar ein staatliches Forstamt, aber die sind mehr mit der Studie beschäftigt, wie schnell Wald gerodet wird. Von Aufforstung keine Spur. Für die von mir angedachte Aufforstung kommt der Juni in Frage. Dann beginnt die große Regenzeit, die bis Mitte September andauert. Damit wären die ersten 4 Monate nach dem Pflanzen der Bäumchen bereits mit (Regen-)Wasser versorgt. Pro Meter Brunnentiefe zahlt man für Arbeiter umgerechnet 18 EUR. Wenn wir sicher Wasser haben wollen, sollten wir beim angedachten Ort auf etwa 25 m Tiefe graben. 25 x 18 EUR = 450 EUR. Also im machbaren Bereich. Wir planen, die ursprünglichen Baumarten zu pflanzen. Eukalyptus ist zwar für das schnelle Geschäft hervorragend, doch uns geht es ja um den nachhaltigen, natürlichen Wasserspeicher. Welche Baumarten am angedachten Ort heimisch sind, werde ich in den nächsten Tagen noch in Erfahrung bringen. Auf jeden Fall denke ich, das wir eine gute Mischung aus verschieden Baumarten anlegen werden.
Die Frage ist dann auch, wie groß die erste Waldfläche sein soll. Beeinflusst ein Hektar bereits das Mikroklima oder brauchen wir mindestens 10 Hektar...?
Nach welcher Zeit, also ab welcher Baumwuchshöhe, wird überhaupt erst ein Einfluss auf das Wetter sichtbar werden?

Viele Fragen also sind noch offen.


Ich halte Euch dann auf dem Laufenden, wie es morgen dann mit den Verhandlungen ums Wasser gelaufen ist.

Liebe Grüße aus dem "leider" sonnigen Sendaffa
Euer Ethiofarmer
Thomas
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Planlos63
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Planlos63 » Mon Mar 11, 2019 1:07 pm

Ethiofarmer wrote:
Mon Mar 11, 2019 12:19 am
Hallo zusammen!
Erst einmal Danke für die rege Beteiligung. Das freut mich sehr.

Also, eines nach dem anderen:

Die Halle hat eine große Fläche und leitet das Regenwasser in einen 5000 Liter-Tank. Das Problem: Der Tank befindet sich auf der anderen Seite der Halle und ist an die Toilette und den Fischteich angeschlossen. Wir können davon nicht viel nehmen und wenn, dann ist es ein großer Aufwand, so um die Halle herum. Zur Zeit schleppen wir also die rund 900 Liter Wasser von Hand (im wahrsten Sinne des Wortes) zu uns. Das heißt, 20 Liter Kanister rechts, 20 Liter links. Etwa 400m Strecke. Auf Dauer geht das nicht. Und Regen ist immer noch nicht in Sicht.
Wir haben noch zwei Möglichkeiten, für die ich noch am Verhandeln bin. Die eine wäre nur etwa 100m entfernt, die andere wäre direkt auf dem Fabrikgelände. Die 100m entfernte wäre schlicht Leitungswasser einer Solarzellenfabrik. Die haben zuverlässig Leitungswasser. Morgen früh werde ich mit dem Chef dort verhandeln. Vielleicht bekommen wir dort für einen kleinen Preis Wasser.
Die Möglichkeit auf dem Fabrikgelände wäre die Sache mit dem Fischteich. Der Fischteich hat ein geschätztes Wasserreservoir von 25 bis 30 Kubikmeter. Eventuell könnte es sogar noch etwas mehr sein. Wir könnten dieses "Fischwasser" zum Gießen verwenden und sobald der Teich einen gewissen Pegel unterschreitet, bestellen wir einen Wassertankwagen, der uns für ca. 40 EUR 15 Kubikmeter Wasser in den Fischteich kippt. Damit hätten die Fische immer wieder sauberes Wasser und wir hätten ideales, natürlich gedüngtes, Gießwasser. Das werde ich morgen abklären. 15 Kubikmeter Wasser reicht uns zur Zeit noch für etwa 12 Tage. Diese Möglichkeit wäre eine Win-Win Situation. Denn sowohl für die Fische (und Frösche ...) bringt der Wasseraustausch viel Komfort, als es auch uns viel Arbeit (und Zeit) fürs Wasserschleppen spart.

Fließgewässer sind keine gute Wahl, weil sie als "Müllentsorgungseinrichtung" dienen. Kommen also als Gießwasser nicht in Frage.

Thema Aufforstung:
Es gibt zwar ein staatliches Forstamt, aber die sind mehr mit der Studie beschäftigt, wie schnell Wald gerodet wird. Von Aufforstung keine Spur. Für die von mir angedachte Aufforstung kommt der Juni in Frage. Dann beginnt die große Regenzeit, die bis Mitte September andauert. Damit wären die ersten 4 Monate nach dem Pflanzen der Bäumchen bereits mit (Regen-)Wasser versorgt. Pro Meter Brunnentiefe zahlt man für Arbeiter umgerechnet 18 EUR. Wenn wir sicher Wasser haben wollen, sollten wir beim angedachten Ort auf etwa 25 m Tiefe graben. 25 x 18 EUR = 450 EUR. Also im machbaren Bereich. Wir planen, die ursprünglichen Baumarten zu pflanzen. Eukalyptus ist zwar für das schnelle Geschäft hervorragend, doch uns geht es ja um den nachhaltigen, natürlichen Wasserspeicher. Welche Baumarten am angedachten Ort heimisch sind, werde ich in den nächsten Tagen noch in Erfahrung bringen. Auf jeden Fall denke ich, das wir eine gute Mischung aus verschieden Baumarten anlegen werden.
Die Frage ist dann auch, wie groß die erste Waldfläche sein soll. Beeinflusst ein Hektar bereits das Mikroklima oder brauchen wir mindestens 10 Hektar...?
Nach welcher Zeit, also ab welcher Baumwuchshöhe, wird überhaupt erst ein Einfluss auf das Wetter sichtbar werden?

Viele Fragen also sind noch offen.


Ich halte Euch dann auf dem Laufenden, wie es morgen dann mit den Verhandlungen ums Wasser gelaufen ist.

Liebe Grüße aus dem "leider" sonnigen Sendaffa
Euer Ethiofarmer
Thomas
:hi: Verzichte bei den Bäumen wenn es soweit ist auf Flachwurzler die sind auf Oberflächenwasser angewiesen. Wogegen Bäume mit einer Pfahlwurzel ihr Wasser aus tieferen Bereichen ziehen.

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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by DocDesastro » Mon Mar 11, 2019 3:19 pm

Mich würde mal interessieren, wie man die Bevölkerung dafür sensibilisiert, nicht jeden Baum für $$$ oder Feuerholz abzuholzen und dass die übermäßige Abholzung Grund für die Trockenheit ist. Was machst Du also, wenn die Bäume da stehen und wie verhinderst Du, dass die wild abgeholzt werden? Vielleicht kannst Du auch Zweigleisig fahren. Birnen sind Tiefwurzler und die Walnuss hat ebenfalls ne Pfahlwurzel. Evtl. auch Kastanien. Die Frage ist halt: verkraften die das Klima? So hättest Du quasi erst mal Bäume, wo die Einheimischen verstehen, die sind wertvoller, wenn man die nicht als Brennholz verwendet. und damit ändern sie das Klima. Erst im kleinen, lokal später hoffentlich mal im großen, wenn die Leute verstehen: Wald ist wertvoll. Büsche haben da auch ihre Existenzberechtigung am Waldrand. Ich habe leider keine Ahnung, was in Äthiopien funktionieren würde. Langfristig, müsste man die Leute vor Ort (be-)schulen, damit die ihre landwirtschaftlichen Techniken verändern und eine gewisse Allgemeinbildung verhindert so ein LMAA-Verhalten wie Fließgewässer als Müllkippe, Wilderei und Abholzen bis der Arzt kommt. Im Prinzip haben alle was davon, wenn die sehen 'So geht es richtig' und mitmachen. Das setzt Geduld, Vertrauen und Bildung voraus.

Evtl. wären 'Cash-Crops' wie Kaffee oder Tee auch interessant. Fair-Trade Partner gäbe es vielleicht?! Somit gäbe es mehr Geld für andere Projekte.

Ethiofarmer
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Post by Ethiofarmer » Mon Mar 11, 2019 8:43 pm

Flachwurzler gibt es hier vermutlich nicht so viele, weil Äthiopien ja eher ein trockenes Land ist. Aber logisch, da muss ich darauf achten.

Viel schwieriger wird es wohl sein, den Leuten den wahren Wert des "Waldes" zu zeigen. Wälder, Flüsse, Seen sind natürliche Mülldeponien. Um dies zu verhindern, brauchen wir Wachpersonal und einen Zaun, um vor allem die jungen Bäumchen vor Rinder- und Schafherden zu schützen, die alles, was grün ist, fressen wollen. Es muss dann ganz konkret Aufklärung betrieben werden. Vielleicht kommt sogar ein Gemeinschaftsprojekt in Frage, bei der jeder Bauer sich mit 20 Bäumchen beteiligt. Dann ist es ein Wald, der jedem gehört und von jedem geschützt wird. So zumindest in der Theorie.
Eine andere Idee ist es, eine Art Naherholungsgebiet zu schaffen. Wald mit Rundgang der ausgeschildert ist und die verschiedenen Baumsorten und die ansässige Tierwelt erklärt - besser noch, mit Führungen, damit im Wald keiner Unfug treibt.

Wegen Wasser ist es erst mal weniger ein Problem. Wir können Wasser mit einem 15000-Liter Tank herbringen lassen. 4 Monate Regenzeit, dann für 5 Monate Bewässerung. Nach weiteren 6 Wochen Regen kommt nochmal eine 6-wöchige Trockenphase, bevor wieder die große Regenzeit beginnt.
In den vereinzelten Baumgruppen bleiben die Bäumchen relativ lange ohne Regen frisch. Wenn wir also nach der Regenzeit alle zwei Wochen etwa 30 Liter pro Bäumchen bewässern, reicht das aus.

Kaffee gedeiht hier in Sendaffa leider nicht. Für Teeproduktion (erst einmal für den regionalen Markt) habe ich bereits Kamille und Salbei angepflanzt. Brennnessel folgt schon bald.
Bevor ich an Export denke, möchte ich den regionalen Markt fluten, um den Import überflüssig zu machen.

LG
Euer Ethiofarmer
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Post by Ethiofarmer » Wed Mar 13, 2019 8:54 am

Hallo zusammen!

Also das Gespräch mit dem Fabrikbesitzer war sehr gut. Wir können also das Wasser aus dem Teich zum Gießen nutzen. Er verriet mir, dass der Teich etwa 80 Kubikmeter Wasser hat. Wenn wir also jeweils bis 15 Kubikmeter brauchen und dann wieder auffüllen, macht es den Fischen gar nichts aus.

Regen ist derweil noch immer nicht in Sicht. Die Regenwahrscheinlichkeit liegt zwar immer um die 30 - 40%, aber mehr als ein paar Spritzer sind im Falle, dass es regnen sollte, nicht zu erwarten.

Erst um den 22. März herum geht die Regenwahrscheinlichkeit im Wettertrend auf konstant 70 - 80 %, mit einer zu erwartenden Regenmenge von 10-20 Liter pro qm (wenn es wirklich regnet).

Auf dem Fabrikgelände gibt es noch eine zweite Grasfläche mit etwa 400 qm. Diese werden wir in Kürze für unsere Blumenproduktion in Angriff nehmen. Da hier viele Leute am "Häuslebaue" sind, werden viele Blumen gebraucht. Außerdem wird es dann auch schön bunt auf dem Fabrikgelände.

Immer mehr Leute staunen über die Fortschritte und so manche Leute geben mir Tipps, wo ich noch Land bekommen könnte. Ein paar Fabriken hier im unmittelbaren Umfeld, wollen mir auch Land zur Verfügung stellen, weil sie bemerkt haben, dass ich den Leuten Arbeit geben möchte. Eine ägyptische Kühlschrankfabrik, eine türkische Möbelfabrik, eine saudische Kaugummiefabrik, ...

Ich gehe die Sache aber ganz langsam an. Zuerst gilt es, das jetzige Feld in Schuss zu bringen. Danach sehen wir weiter.

LG aus Sendaffa
Euer Ethiofarmer
Thomas
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Post by Ethiofarmer » Wed Mar 20, 2019 10:21 pm

Hallo zusammen,

da wir eine sehr schwache Internetverbindung haben, konnte ich das neue Video noch nicht auf youtube hochladen. Ich hoffe, ich bekomme das morgen hin.
Die angekündigten 400qm für die Blumenfläche sind wir bereits am Aufhacken. Als Motivationsschub habe ich schon ein paar Blumen gepflanzt. Das Gemüsefeld wird derweil auch immer weiter bepflanzt. In den letzten Tagen habe ich etwa 50 Salbeipflänzchen auf dem Fabrikgelände gepflanzt. Über einen Freund habe ich erfahren, dass viele Supermärkte ganz dringend Salbei suchen. Das klingt also nicht schlecht. Salbei wächst hier nämlich sehr gut. Weitere 40 Pflänzchen, die ich gesät hatte, sind jetzt vor ein paar Tagen aufgegangen. Nun geht es nur noch darum, Stecklinge zu machen. Das sollte kein Problem sein, denn Salbei habe ich schon einige als Stecklinge gemacht. Bei Tomaten sieht es mit Stecklingen eher mager aus. Die scheinen den Boden nicht zu vertragen. Ein Gärtner aus Deutschland verriet mir nun, ich solle probieren, um den Tomatensteckling ein wenig Backpulver streuen. Das würde den sauren Boden etwas verbessern. Außerdem solle ich die Tomatenstecklinge fast waagerecht einpflanzen. Dies würde einen viel stärkeren Wurzeltrieb verursachen. Wieder ein anderer Freund meinte, ich solle in die Erde etwa 20 % Kaffeesatz mischen und dort meine Tomatenstecklinge machen.
Jetzt habe ich DIE Idee: Weil ich genug Tomatenpflänzchen als "Wildwuchs" auf dem Kompost Zuhause habe, probiere ich alle Varianten aus. Auch mit oder ohne "Treibhaus" (eine übergestülpte Plastikflasche als Verdunstungsschutz mit kleinen Löchern für die Luftzirkulation. In ein paar Tagen weiß ich dann, ob eine (oder mehrere) der Varianten funktionieren. Mit Samen lassen sich Tomaten hier ohne Probleme vermehren. Der Mais macht sich auch gut.

Der Salbei, früher machte er mir so Mühe, ihn zu säen und als Steckling zu vermehren, heute ist er mir ein täglicher Begleiter:

Image

Zucchini zeigt sich jetzt auch:

Image

Die Tomaten haben erste Früchtchen:

Image

Jetzt hoffe ich, dass ich morgen dann schaffe, das neue Video hochzuladen.

Bis dahin!

Euer Ethiofarmer
Thomas
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Post by Ethiofarmer » Fri Mar 22, 2019 8:01 am

jetzt gibt es endlich das neue Video:

https://www.youtube.com/watch?v=qIwds2Eh13g
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by cavin12 » Thu Mar 28, 2019 8:09 am

nett über diese zu wissen und die Bemühungen aller Antworten zu schätzen

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Post by Ethiofarmer » Thu Mar 28, 2019 4:03 pm

Hallo zusammen,
ein neues Video ist nun online:

https://youtu.be/4PUzSibUHZ4

Übrigens kann man uns vorübergehend (bis der Förderverein steht) über folgenden Link unterstützen:

https://www.leetchi.com/de/c/wm6meDp5

Das mit den Tomaten scheint gut zu gehen. Die Tomaten, welchen ich Backpulver zugegeben habe, stehen wunderbar da. Das erste Pflänzchen durfte heute sogar den ganzen Tag draußen (im Schatten) verbringen. Es sah dann etwas schwächer aus, kaum lief die Sonne auf den Horizont zu, stand das Pflänzchen wieder gerade da.
Heute haben wir auch Pferdemist bekommen. Den Arbeitern durfte ich also wieder etwas Neues beibringen: Das "Misten".
Da fällt mir gerade noch ein Witz dazu ein:
Kommt ein Amerikaner nach Deutschland und sagt zu einem Bauernknecht: "Hello Mister." Darauf der: "Ich bin nicht der Mister, ich bin doch der Melker!" :eek2:

Heute haben wir auch wieder ein paar Reihen Kartoffeln gelegt. Ich bin selber ganz gespannt, wie das weitergeht.

LG aus dem leider noch immer sehr trockenen Äthiopien
Euer Ethiofarmer
Thomas
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Wed Apr 10, 2019 12:43 pm

Hallo zusammen!

Es geht wieder weiter. Zuerst die gute Nachricht: ES REGNET. Immer wieder und die Mengen sind zufriedenstellend. Pro Tag etwa 10 Liter pro Quadratmeter. Das sollte gut sein.

Das Feld wird jetzt immer grüner. Wir konzentrieren uns auf Kartoffeln und Tomaten. Auch die Blumen bringen immer mehr Farbe aufs Feld. Gestern habe ich 200 Kilo Kompost gekauft (letzte Woche hat es nicht geklappt). Dann besuchte ich noch ein französisches Restaurant. Allerdings nicht zum Essen, sondern wegen der Blumen. Die haben dort sehr viel Lavendel. Da ich mit Lavendelsamen einfach keinen Erfolg habe, habe ich dort um Erlaubnis gebeten, ein paar Stecklinge zu machen. So kam ich mit den äthiopischen Gärtnern dort ins Gespräch und durfte ihnen Grundlagen in der Stecklingsvermehrung beibringen. Als Dankeschön durfte ich ein Bündel Lavendel abschneiden. Zuhause machte ich Stecklinge und jetzt warte ich auf den Moment, wenn die Stecklinge wurzeln und zu wachsen beginnen. Etwa 40 Stecklinge konnte ich machen.
Ich hätte Euch gerne ein paar Bilder geschickt, aber die Internetverbindung ist schon seit vielen Tagen wieder so langsam...

Am Freitag mache ich mich auf die große Reise (700km) nach Wallaga, wo ich letztes Jahr schon einmal war. Dort werde ich wieder halbtags die Bauern unterrichten. Abends werde ich dann meinem Beruf als Prediger nachgehen und einen Bibelkurs machen. Für die Bauern habe ich mich auf den Gemüsebau vorbereitet. Innerhalb von 5 Tagen wollen wir dort gemeinsam ein kleines Projekt ausarbeiten. Im Juli oder August werden wir dann das Projekt umzusetzen versuchen. Die Idee mit dem Agroforst hat mich total fasziniert.

Ich werde die Kamera mitnehmen und hoffe, auch ein paar Interviews mit den Bauern dort machen zu können. Da wir dort keinen Strom haben, muss ich schauen, wie lange meine zwei Kamera-Akkus halten. Zur Not muss ich von meinem Handy aus noch Aufnahmen machen.

LG
Euer Ethiofarmer
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Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Franken-Landwirt » Wed Apr 10, 2019 9:28 pm

Immer wieder schön zu Lesen ! *thumbsup*
Gruß :hi:
FL

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