Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Alles was in den anderen Foren keinen Platz findet.
Ethiofarmer
Posts: 113
Joined: Mon Oct 16, 2017 6:06 pm
Location: Sendaffa / Äthiopien
Contact:

Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Sun Jun 16, 2019 9:56 pm

Liebe Freunde,

es gibt wieder ein neues Video. Ein sehr kurzes. Ich bin zur Zeit in Deutschland und viel am organisieren. Das Treffen mit über 100 Äthiopiern in Zeil bei Bamberg war sehr schön. Für unseren Förderverein haben wir etwa 25 Mitglieder gefunden. Wann dann die Gründung tatsächlich durch ist, werden wir sehen. Einige Behördengänge stehen noch an, bevor ich wieder nach Äthiopien zurückfliege. Voraussichtlich am Sonntag werde ich fliegen.
Das Video findet Ihr über folgenden Link:
https://youtu.be/eQmOi4KH4hI

LG aus dem sehr warmen Stutensee (zwischen Karlsruhe und Heidelberg)
Euer Ethiofarmer
Thomas
Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten :rolleyesnew: , oder mir mitteilen, damit ich sie korrigiere!

Ethiofarmer
Posts: 113
Joined: Mon Oct 16, 2017 6:06 pm
Location: Sendaffa / Äthiopien
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Sat Jun 22, 2019 10:54 pm

Hallo zusammen,

es geht wieder los, morgen Abend endlich mein Rückflug. Doch hier gibt es noch ein Video, in dem ich das Agroforst noch mal zeigen werde.

https://youtu.be/iFXBWm_1Htw

LG
Euer Ethiofarmer
Thomas
Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten :rolleyesnew: , oder mir mitteilen, damit ich sie korrigiere!

Haagele
Posts: 1401
Joined: Tue Jul 01, 2008 2:20 pm
Location: Jettingen
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Haagele » Mon Jun 24, 2019 4:15 pm

bin gespannt wie das ganze dann in der Realität aussieht...

Haagele
Posts: 1401
Joined: Tue Jul 01, 2008 2:20 pm
Location: Jettingen
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Haagele » Tue Jun 25, 2019 8:33 am

Habe ich eben zufällig bei Spiegel-Online entdeckt:
So kann es in Deutschland aussehen:
https://www.spiegel.de/video/duerre-in- ... 27968.html

Ethiofarmer
Posts: 113
Joined: Mon Oct 16, 2017 6:06 pm
Location: Sendaffa / Äthiopien
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Wed Jul 17, 2019 2:21 pm

Hallo alle zusammen!

Aufgrund politischer Probleme (mehrere Generäle und ein Präsident vergleichbar einem Landtagspräsident sind ermordet worden) war das Internet fast zwei Wochen abgeschaltet. Noch heute sind Seiten wie Facebook und teilweise auch WhatsApp von der Sperre betroffen. Die Verbindung ist auch so langsam, dass ich unser neues Video nicht auf Youtube hochladen konnte. Das wird sich hoffentlich bald ändern.

Jedenfalls geht es uns regenmäßig besser als in Europa. Wir dürfen uns an einer sehr ergiebigen Regenzeit erfreuen.
Letzte Woche sind die ersten 30kg Kartoffeln geerntet worden, die Karotten und Rote Beete sind jetzt dran. Da die Preise während der Regenzeit aber sehr niedrig sind, springt da nicht allzuviel raus dabei.

Zwei Tagelöhner werden wir nun fest anstellen weil ich gesehen habe, dass sie zuverlässig arbeiten.
Eine Zusammenarbeit mit einer Schule für sozial schwache Kinder, Waisenkinder und sonstige arme Kinder ist geplant. Diese Schule hat als soziale Organisation vom Staat einen Hektar Land bekommen. Die Hälfte ist bebaut als Schule, die andere Hälfte ist Ackerland. Wir müssen noch einen Plan ausarbeiten, wie wir zusammenarbeiten, damit es eine Win-Win-Situation wird - also damit sowohl die Schule als auch wir davon profitieren.

Soweit mal heute. Ich hoffe, bald das Video hochladen zu können.

LG Euer Ethiofarmer
Thomas
Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten :rolleyesnew: , oder mir mitteilen, damit ich sie korrigiere!

Haagele
Posts: 1401
Joined: Tue Jul 01, 2008 2:20 pm
Location: Jettingen
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Haagele » Tue Jul 30, 2019 9:49 pm

Bin gespannt auf neue Berichte, scheinbar macht sich ja ganz Äthiopien auf den Weg :
https://www.spiegel.de/wissenschaft/nat ... 79624.html

Ethiofarmer
Posts: 113
Joined: Mon Oct 16, 2017 6:06 pm
Location: Sendaffa / Äthiopien
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Tue Jul 30, 2019 11:02 pm

Das mit der Baumpflanzaktion ist so eine Sache. Die meisten Bäumchen werden es nicht schaffen, weil sie
a) nicht ordnungsgemäß gepflanzt wurden
b) sich keiner verantwortlich fühlt und
c) die Bäumchen von Viehherden kaputtgefressen werden.

Vielmehr müssten Bauern über den Wert von Bäumen aufgeklärt werden und Wälder pflanzen, die bis zu einem gewissen Alter vor Tierfraß geschützt sind.

In Wallaga werden wir in Kürze mit Agroforst beginnen. Erst wenn Bauern in der Praxis ein Beispiel bekommen, werden sie zum Nachahmen animiert. Achon heute waren einige der gestern gepflanzten Bäumchen von Ziegen kahl gefressen.

LG Ethiofarmer
Thomas
Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten :rolleyesnew: , oder mir mitteilen, damit ich sie korrigiere!

Ethiofarmer
Posts: 113
Joined: Mon Oct 16, 2017 6:06 pm
Location: Sendaffa / Äthiopien
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Wed Aug 07, 2019 3:47 pm

Hallo zusammen,

leider leider ist die Internetverbindung so schwach, dass ich kein neues Video hochladen konnte. Nun, so möchte ich eben hier ein paar Updates bringen.

Seit meiner Rückkehr nach Äthiopien sehe ich hier fast nur noch Regen. Das Feld steht meist unter Wasser. Zuhause habe ich spanische Knoblauch gesteckt, die schon nach 3 Tagen die ersten Triebe zeigten.
Wir haben nun Mais, Knoblauch (äthiopischer), Zwiebeln und ein paar Karotten geerntet. Die Knoblauchzehen sind sehr klein, der Mais sehr kümmerlich. Auch die Bohnen sind dürftig.
Jetzt, im 9.Monat unserer Feldarbeit dürfen wir folgendes Resultat bekanntgeben:
Mais und Bohnen lohnen sich hier in Sendaffa nicht.
Kartoffeln und Tomaten sind nur während der Trockenzeit rentabel.
Ganzjährig sind Grünkohl, Karotten, Zwiebeln und Rote Beete hervorragend. Wenn der spanische Knoblauch gut kommt, bekommt er auch einen festen Platz bei uns auf dem Feld.
Entsprechend dieser Erfahrungen werden wir unser Feld bestellen.
Die Blumenproduktion ist jetzt am 'aufblühen' - im wahrsten Sinne des Wortes. Tagetes haben erste Blütenansätze, Steinkraut, Kamille und verschiedene andere Blumen schicken immer wieder kleine Duftwölkchen übers Feld. Mitte September wird die Blumensaison dann richtig losgehen, wenn sich die Regenzeit zum äthiopischen Neujahr verabschieden wird.

Am Freitag werde ich mich mit zwei Freunden auf den Weg nach Wallaga machen. Leider können wir dort nicht voll loslegen, wie wir es geplant hatten, weil uns noch ein bissen Geld fehlt. Aber das wird dann eben nach und nach aufgebaut.

Zwischenzeitlich haben wir auch bezüglich der Apfelplantage etwas zurückrudern müssen. 4000 von 7000 Bäumchen konnte ich bisher bezahlen. Da wir jetzt wirklich finanziell nicht weiter kommen, haben wir beschlossen, 3000 Bäume an andere Investoren weiter zu verkaufen, damit wir wieder etwas 'Luft' bekommen.
Die Hochrechnung sieht aber sehr gut aus, wie auch die Äpfel selbst.

In 2 Jahren werden uns die Äpfel genug Gewinn bringen, dass wir für unsere Projekte hier genug bekommen.

Ich versuche mal, ob ich heute Abend noch ein paar Fotos schicken kann. Das hängt von der Internetverbindung ab.

Bis dahin ganz liebe Grüße aus dem regnerischen Sendaffa

Euer Ethiofarmer
Thomas
Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten :rolleyesnew: , oder mir mitteilen, damit ich sie korrigiere!

Ethiofarmer
Posts: 113
Joined: Mon Oct 16, 2017 6:06 pm
Location: Sendaffa / Äthiopien
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Thu Aug 08, 2019 2:34 pm

So, nun gibt es ein paar Bilder.

Nach der Maisernte:

Image

Wenig Ertrag, dafür eine Erfahrung reicher:

Image


Knoblauch ist in Äthiopien allgemein nicht sehr groß, der spanische Knoblauch wird wohl besser sein:

Image

Die erste Kartoffelernte war sehr dürftig. Diese neue Pflanzung ist erst knapp 4 Monate alt, hat aber Mist im Boden. Die ersten Kartoffeln brauchten 6 Monate um erntereif zu sein.

Image

So und hier sind unsere fast reifen Rote Beete. Die größten werden verkauft, sobald ich aus Wallaga zurück bin.


Image


Die Arbeiter kümmern sich darum, das Unkraut zu vernichten, Kompost zu sieben, neue Beete anzulegen und zu misten - ja, wir durften nun die alten Maisbeete misten und nun Karotten, Grünkohl und Rote Beete säen. In zwei oder drei Wochen können wir dann die gesäten Gemüse auf die Beete verteilen.

Übrigens hier noch ein Unkraut, das völlig alleine dasteht und so schöne Blüten hat, dass es mir fast wehtut, es auszureißen ))-:

Image

So und jetzt geht's erstmal nach Wallaga. Ob es dann ein neues Video gibt, werden wir dann sehen.

Ganz liebe Grüße aus dem verregneten und kalten Sendaffa!

Euer Ethiofarmer
Thomas
Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten :rolleyesnew: , oder mir mitteilen, damit ich sie korrigiere!

Ethiofarmer
Posts: 113
Joined: Mon Oct 16, 2017 6:06 pm
Location: Sendaffa / Äthiopien
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Sun Sep 01, 2019 1:46 pm

Hallo liebe Freunde,

seit über einer Woche versuche ich schon, das neue Video hochzuladen - doch ohne Erfolg. Das Internet ist zur Zeit viel zu langsam.
Also gibt es nur einen "trockenen" Bericht an dieser Stelle:

Nun, wir befinden uns in der Schlussphase der Regenzeit. Am 12.September wird hier das Neujahr gefeiert. Zur selben Zeit stellt sich das Wetter um, es wird trocken.

Ein paar der ersoffenen Tomaten und Zucchini fangen wieder neu an auszutreiben. Zwiebel, Knoblauch, Karotten und Rote Beete werden in etwa 2 Wochen geerntet. Kartoffeln haben wir gestern geerntet. Die Kartoffelfläche war nur etwa ein Drittel von der Fläche, die wir vorher geerntet hatten (30kg). Dennoch haben wir diesselbe Erntemenge. Das liegt einfach daran, dass wir hier viel Mist in den Boden eingearbeitet hatten.
Für die neu gesäten Karotten, Rote Beete und den Kohl haben wir also ebenfalls gute Chancen auf reiche Ernte, weil wir dort auch viel Mist im Boden haben.

Die Blumenbeete fangen auch an, in verschiedenen Farben zu leuchten. Unser Blumensortiment werde ich in dieser Woche noch erweitern. Immer mehr Passanten sprechen mich an, wann wir denn endlich anfangen, Blumen zu verkaufen. Bald, schon sehr bald...

Beim Lavendel habe ich es auch mit der nächsten Samenpackung nicht geschafft, Pflänzchen zu ziehen. Aber von meinen 11 Pflanzen (noch sehr klein) konnte ich erfolgreich 5 Stecklinge machen. Sobald der Regen vorbei ist, werden sie gut wachsen und dann werde ich hunderte von Stecklingen machen können.

Die Wallagareise war anstrengend aber sehr gut verlaufen. Wir haben jetzt das Feld (einen halben Hektar) abgesteckt und die Pflanzlöcher für die Avokadobäumchen gegraben. Auch für die Zaunpfosten haben wir die Löcher vorbereitet. Im Moment kommen wir aber nicht dorthin, um weiter zu machen. Allerdings haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir die Kosten für Fahrt und Unterkunft etwas reduzieren oder neutralisieren können. Wir fragen gerade nach Lizenz, um Kaffee zu handeln. Der dortige Kaffee schmeckt sehr gut und wird sogar bei uns in Sendaffa getrunken. Also mit Hilfe der Lizenz können wir dann bei jeder Reise 100kg Kaffee mitnehmen und hier günstig verkaufen. Die Zusatzeinnahmen decken die Reisekosten vollständig ab. Ja, man muss immer von allen Seiten denken.

Die Deutsche Botschaftsschule hat wieder ihren Betrieb aufgenommen, also werde ich wieder zwei Tage pro Woche dort unterrichten. Das hilft mir dann auch finanziell wieder weiter.
Noch etwas lustiges von der Wallaga-Reise:
Da die Region dort viele politisch Oppositionelle beheimatet, die auch vor Anschlägen nicht zurückschrecken, werden auf der Strecke alle 20km Straßensperren mit Polizeikontrollen errichtet. Das heißt, alle aussteigen, Koffer und Taschen werden durchsucht, dann die Personalien geprüft und dann erst geht es weiter.
Bei einer dieser Kontrollen wurde mein Ausweis ("Deutsche Botschaft") eingezogen. Diesen Ausweis habe ich, weil ich eben an der Deutschen Botschaftsschule arbeite. Dann kam ein Bundespolizist und meinte, der Ausweis sei gefälscht. Verwundert schaute ich ihn an und fragte, wie er denn auf diese Idee käme. Dann gab er mir ganz harsch zur Antwort:
Du wärst wohl gerne bei der Deutschen Botschaft... Aber du hast vergessen, ein Privatauto zu kaufen. Botschaftsangestellte fahren nicht mit öffentlichen Minibussen - und Amharisch sprechen Botschaftsangestellte schon gar nicht.
Nach einigem Hin und Her durfte ich wieder zum Minibus zurück.

So, dann wünsche ich noch einen schönen Sonntag und grüße ganz herzlich aus Sendaffa
Euer Ethiofarmer
Thomas
Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten :rolleyesnew: , oder mir mitteilen, damit ich sie korrigiere!

Ethiofarmer
Posts: 113
Joined: Mon Oct 16, 2017 6:06 pm
Location: Sendaffa / Äthiopien
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Tue Sep 03, 2019 4:08 am

Liebe Freunde!

Da die Internetverbindung zu schwach ist, habe ich jetzt den Upload des Videos übers Handy gemacht. Selbst im Falle eines Stromausfalls, wäre der Upload nicht gefährdet, weil das Handy wesentlich längere Akkulaufzeit hat, im Vergleich zum Laptop. 38 Stunden dauerte es, jetzt ist das Video online:

https://www.youtube.com/watch?v=zxDgXoItnvs

Liebe Grüße aus Äthiopien
Euer Ethiofarmer
Thomas
Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten :rolleyesnew: , oder mir mitteilen, damit ich sie korrigiere!

Ethiofarmer
Posts: 113
Joined: Mon Oct 16, 2017 6:06 pm
Location: Sendaffa / Äthiopien
Contact:

Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Wed Oct 02, 2019 5:51 am

Hallo, alle zusammen,

die Zeit vergeht wie im Flug. Wir hatten hier sehr oft keinen Strom oder kein Internet, deshalb hat es mal wieder sehr lange gedauert, bis ich mich wieder melde.

Ich bereite mich jetzt auf den großen Vorstoß nach Wallaga vor. Wie bereits mehrfach angekündigt, werde ich dort mit Agroforest beginnen. An dieser Stelle nochmals Danke für den Beitrag von Sabalero (-> Umfrage zur Landwirtschaft in Äthiopien). Ich kannte Agroforest vorher noch nicht.
Nun, mehrmals war ich in Wallaga und habe dort geplant und rumgetüftelt, um herauszufinden, wie man so etwas aufbaut. In der Praxis sieht oft alles anders aus, als auf dem Blatt Papier.
Dann hatte ich bei meinem letzten Besuch dort konkret Löcher für die Zaunpfosten graben lassen und für die geplanten Avocado-, Mango- und Piniensetzlinge Pflanzlöcher graben lassen. Damit wollte ich so genau wie möglich eine Vorhersage treffen, wieviel Geld ich dort hineinstecken muss.
Vor ein paar Tagen sprach ich mit einem Freund hier, der ein echter Businessman ist. Aber er investiert nur, wenn es eine "Win-Win"-Situation gibt. Wir sprachen über Entwicklungshilfe und deren Betrug. Die von der UN gesponserten Entwicklungshilfe-Firmen zum Beispiel stellen jedem Mitarbeiter einen SUV zur Verfügung. Davon gibt es alleine in Addis Abeba Tausende. Dazu zahlen die den Mitarbeitern soviel Lohn, dass fast alle mit Rolex-Uhren, etc herumlaufen und in Villen wohnen, deren Miete von 3000 EUR aufwärts liegen. Als kleines Rechenbeispiel, wenn wir von Entwicklungshilfe reden:
Statt dieser Klimahysterie zu verfallen, sollten die FFF-Demonstranten lieber für eine Woche nach Afrika gehen und Wälder pflanzen. Das würden diese Schulschwänzer dann aber nicht tun, da macht man sich ja die Finger schmutzig...
Zurück zur staatlich geförderten "Geld-aus-dem-Fenster-werf"-Entwicklungshilfe:
Für 3000 EUR (also die Mindestmiete, die für einen Entwicklungshelfer gezahlt wird), könnte man in Äthiopien 2100 Pinien pflanzen. Pinien sind hier eine der selten gewordenen natürlichen Waldbäume. Hartholz, bei Schreiner sehr beliebt, 20 Jahre Wachstumszeit bis zur Holzernte). Die EU investiert im Jahr 40 Milliarden EUR in Entwicklungshilfe in Afrika. Das wären 28 Milliarden Bäume pro Jahr. Glaubt Ihr, dass wir bei so einer Masse noch über CO2-Probleme diskutieren müssten? Glaubt Ihr, dass wir in Afrika (Sahelzone von Elfenbeinküste bis Eritrea) noch große Dürren hätten?
Leider wird aber lieber in große SUVs investiert.
Ein Entwicklungshelfer (28 Jahre alt, Bauingeneur) sagte, er sei nur in der Entwicklungshilfe, weil er hier mehr Geld verdient, als in Deutschland.
Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen...

Zurück zu dem Freund, dem ich das alles schilderte:
Er fragte mich, wieviel ich zum Leben brauche. 150 EUR im Monat (inklusive Miete). Dann legte er mir seine Hand auf die Schulter und sagte: "Ich organisiere das Budget für Wallaga".
Gestern Abend habe ich ihm den Kostenvoranschlag tabellarisch aufgelistet per Mail geschickt. Er wird mir dann noch einige Fragen stellen, um eventuelle Fehlkalkulationen zu finden.

Jetzt ist geplant, Ende Oktober nach Wallaga zu fahren und dort loszulegen.

Hier in Sendaffa gedeihen nun die Blumen sehr gut. Ich liebe das Summen der Bienen, Hummeln und was sonst noch alles an Insekten hier spielen und das Festessen genießen. In den nächsten Tagen organisiere ich noch 2 Bienenbeuten, um dann auch Honig zu produzieren. Da die Regenzeit nun schwächelt und innerhalb der nächsten Woche zu Ende sein sollte, habe ich wieder angefangen, Tomatenstecklinge zu machen. Von denen, die die Regenzeit überlebt haben, sind einige so gut am Austreiben, dass ich aus 9 Tomatenpflanzen etwa 35 Stecklinge machen konnte. Nächste Woche mache ich dann weitere Stecklinge, bevor ich die alten Pflanzen dann ausreiße. Jetzt haben wir auch viel Pferdemist bekommen, also habe ich in jedes Pflanzloch noch eine große Hand voll Mist reingemacht. Das wird den Tomaten sicher gut tun. Auch Kartoffeln sind wieder gelegt worden. Die letzte Sorte, die wir geerntet hatten, war geschmacklich hervorragend und von der Menge auch sehr ergiebig.

So, das war's von hier erstmal wieder. Wünsche allen noch eine gute zweite Wochenhälfte und bis zum nächsten Mal!

Euer Ethiofarmer
Thomas
Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten :rolleyesnew: , oder mir mitteilen, damit ich sie korrigiere!

DocDesastro
Posts: 846
Joined: Mon Oct 05, 2015 9:13 pm

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by DocDesastro » Thu Oct 03, 2019 10:37 am

Mich würde wirklich mal interessieren, wie die Einheimischen auf Deine Bemühungen reagieren. Sehen die nur das Geld, was sie sofort verdienen können, oder sind sie auch willens, langfristig zu denken? Könnte man Dir Probleme bereiten, wenn Du erst mal Erfolg hast, da Du den von Dir benannten Personen die Pfründe trockenlegst? Hast Du mal daran gedacht, Leute einzuladen, um auf die Mißstände hinzuweisen? Entweder, um Dir Rückendeckung zu verschaffen oder als Multiplikator Deiner Idee? Ab einer gewissen Größe wirst Du Rückendeckung benötigen, befürchte ich. Vielleicht bin ich aber nur Paranoid. Aber solange Du der harmlose M'Zungu bist, der da im kleinen seine Sache macht und es niemanden stört, ist das eine Sache. Sobald Du aber regional oder weiter bekannt damit wirst und der Erfolg evtl. dazu führt, dass Gelder nicht mehr so fließen, wie bisher, also keine Luxusmieten oder SUVs mehr oder Gelder in die Tasche von Gewinnlern an diesem System...was dann? Wie werden die reagieren?

Tut mir Leid, wenn ich da neben der positiven ökologischen Seite auch die hässliche, politische sehe.

Ethiofarmer
Posts: 113
Joined: Mon Oct 16, 2017 6:06 pm
Location: Sendaffa / Äthiopien
Contact:

Re: Landwirtschaft 2018 "Äthiopien"

Post by Ethiofarmer » Mon Oct 28, 2019 8:53 am

So, ein herzliches "Hallo" an alle!

mir ist aufgefallen, wie schnell der Monat schon wieder vorbei ist. Wahnsinn. Wir gehen große Schritte weiter. Für mich steht dabei nicht nur die Arbeit an sich im Mittelpunkt, sondern auch das ständige Fortbilden. Mich selbst muss ich immer wieder fortbilden, denn auch ich habe noch vieles dazu zu lernen.
Zunächst möchte ich aber noch den Beitrag von DocDesastro kommentieren:
Es ist leider nicht abzusehen, wie die Einheimischen langfristig auf die Bemühungen reagieren. Bis jetzt sind viele neugierig, es gibt aber auch Leute, die von vorneherein auf Geld aus sind. Die gute Nachricht ist schlicht, dass ich mich gezielt um jene kümmere, die willens sind, zu arbeiten und selbstständig zu werden. Ich habe bisher auf dem Feld in Sendaffa einfach "Bio" gearbeitet, dass heißt, ich habe keine Chemie benutzt und habe Schädlinge mit biologischen Waffen bekämpft.
Die Arbeiter haben in verschiedenen Schritten die Unterschiede gesehen. Kartoffeln ohne Bodenbearbeitung und dann Kartoffeln mit Pferdemist. Der Unterschied war immens, fast doppelte Ernte pro qm.
Genauso durften die Arbeiter nun sehen, wie nach 6 Monaten aus dem Kompost bessere Erde wurde. Ich bin mit dem Ergebnis noch nicht zufrieden, doch es dauert eben seine Zeit, bis der Boden entsprechend "bewohnt" ist und lockerer wird. Wir haben hier eben Tonerde, die so hart ist, dass sie beim trocknen steinhart wird.
Die Arbeiter sehen also ganz praktisch, was läuft.
Wie die großen Organisationen reagieren, wenn mein Projekt Erfolg hat, weiß ich nicht. Das wird sich zeigen. Da ich aber so viel wie möglich die Einheimischen weiterbilde, um selbstständig zu sein, stehen viele hinter mir. Viele haben schon kapiert, dass wer mir im Weg steht, der steht den Einheimischen im Weg.
Aber es wird sicher schwer werden, sich gegen das System zu behaupten. "Politic is a dirty game", sagt man ja zu recht. Politik ist immer ein schmutziges Geschäft, nicht nur in Afrika. Ich wage es nicht, von deutscher Politik anzufangen...
Hier gab es in den letzten Tagen blutige Aufstände mit vielen Toten. Diesmal wollten Moslems, die etwa 35% der Bevölkerung ausmachen, einen islamischen Gottesstaat errichten. Kirchen wurden niedergebrannt, viele Gläubige abgeschlachtet (die Bilder zeige ich hier lieber nicht, das ist nicht jugendfrei).
Gott sei Dank (und das meine ich wörtlich), konnte dieser Versuch niedergeschlagen werden.

Wir machen hier weiter. In den nächsten Tagen werde ich versuchen, wieder ein Video hochzuladen.
Als neues "Projekt" steht auch ein Youtube-Lehrkanal an. Dort wollen wir auf Amharisch Gartenvideos produzieren, um Bauern in die biologische Landwirtschaft einzuführen. Aber ACHTUNG!
Ich rede nicht vom modernen BIO-Kult!
Keine Chemie bedeutet nicht gleich BIO, so wie es heute oft gleichgesetzt wird. DEMETER, BIO, etc hat nichts mit echtem Bio zu tun.
BIO bedeutet: "Mit der Natur" zu arbeiten.
Letzte Woche habe ich meinen Arbeitern gezeigt, wie man ganze Beete mulcht. Grasschnitt, Unkraut und solche Dinge kommen nur teilweise auf den Kompost. Ein Teil wird kleingeschnitten und über alle Beete verteilt. Kohl, Rote Beete, Karotten, Zwiebeln, etc haben jetzt ein "Grasbett". Die Vorteile:
1. Weniger Wasserverdunstung
2. Grasschnitt, etc bietet vielen kleinen Lebewesen Nahrung, die wiederum eine Symbiose mit unseren Nutzpflanzen eingehen
3. Weniger Unkraut
4. Durchs Gießen spritzt keine Erde auf die Pflanzen, damit sind die Pflanzen sauberer.
5. Durch die Bakterien entstehen in der Mulchschicht viele Nährstoffe und die Schicht wird kompostiert.
6. Durch diesen oberflächlichen Kompost erübrigt sich das mühsame Umgraben, weil von oben immer neue feine Erde dazukommt.

Wo hat man den tiefsten Humus bei uns?
Im Wald. Dort besteht ein komplettes Ökosystem. Wer musste schon mal im Wald düngen?
Bio bedeutet, die Natur alles selber machen zu lassen und Nutzpflanzen einfach als "Zusatz" anzubauen. Im Wald halten sich sogenannte "Schädlinge" mit "Nützlingen" die Waage.
Das soll auf dem Feld ebenso unser Ziel sein.

Sobald sich das Ökosystem eingependelt hat, gibt es keine Probleme mit Schädlingen mehr, weil jedes Tierchen seinen Platz einnimmt. Schädlinge gehen nämlich nur auf schwache Pflanzen los. Oft meinen wir aber, große, saftige Früchte seien der Beweis für starke Pflanzen. Dabei ist das oft gar nicht der Fall.

So, die Arbeit ruft. Das nur als kleiner Bericht von hier.

Liebe Grüße aus Sendaffa
Euer Ethiofarmer
Thomas
Nicht weil die Dinge schwierig sind, wagen wir sie nicht, sondern weil wir sie nicht wagen, sind sie schwierig
Wer Rechtschreibfehler findet, darf sie gerne behalten :rolleyesnew: , oder mir mitteilen, damit ich sie korrigiere!

Post Reply